Staging

Staging – Welche weiterführende Untersuchungen sind erforderlich, um Dickdarmkrebs sachgerecht zu behandeln ?

„Zur rechten Zeit ein Nadelstich ersparet neune sicherlich“. . (a stich in time saves nine), diese sprichwörtliche Erkenntnis könnte auch für viele Situationen in der Medizin stehen. Dort, wo man frühzeitig etwas tun kann, kann sich Ahnungs- oder Sorglosigkeit später rächen. Die Entstehung von Darmkrebs ist so ein Thema. 73 von 100 000 Menschen erkrankten 2007 neu an Darmkrebs. Das wären konkret z.B. 56 Menschen in Gladbeck oder 50 im Schalker Stadion. Jährlich. Neu.

Dabei ist Darmkrebs eigentlich überflüssig, denn es gibt eine ganze Batterie an strategischen Gegenmaßnahmen, – wenn man sie denn nutzt. Die Bedeutung der Darm-spiegelung (Coloskopie) und Enddarmspiegelung (Rektoskopie) als Vorsorge-untersuchung (Screening) und die Möglichkeiten der endoskopischen Therapie von Vorstadien kolorektaler Karzinome durch den Gastroenterologen (Spezialist für Magen-Darm- Bauchspeicheldrüsen- und Leberkrankheiten einschließlich der Tumoren des Verdauungstrakts) sind dabei bereits eingehend beschrieben worden. Sozusagen „nebenbei“, aber explizit beabsichtigt, werden dabei aber auch bereits bestehende Darmkrebse früher entdeckt und diese haben damit bessere Heilungs-chancen. Hier führt die Endoskopie zur Früherkennung. Die ärztliche Erfahrung zeigt, dass Patienten gern den Gang zur Vorsorgeunter-suchung „auf die lange Bank“ schieben, beim Befund eines Darmkrebses aber „sofort“, oft genug „holterdipolter“ operiert werden wollen.
So verständlich eine solche rein emotionale Reaktion sein mag, sachgerecht ist sie nicht. Eine althergebrachte, unwiderlegte ärztliche Weisheit besagt, dass „die Götter vor die Therapie die Diagnose gesetzt“ haben. Und die Diagnose beinhaltet weitaus mehr als den Lokalbefund „Krebs“ im Darm.

Der Befund eines Darmkrebses bedarf weiterführender Untersuchungen zur Frage

  • Tumorausdehnung (lokal / Metastasen=Absiedlungen in Lymphknoten und anderen Organen)
  • Tumormarker (Prognose / Verlaufsbeurteilung
  • Operabilität (des Patienten / des Befundes)
  • besonderer Risiken (z.B. Normvarianten / Vorschäden)
  • Erblichkeit (Risiko für Angehörige).

Stadieneinteilung – Staging

Die Untersuchungen zur Klärung der beiden erstgenannten Fragestellungen nennt der Arzt Staging, d.h. sie ermöglichen eine Stadieneinteilung, die für das weitere therapeutische Vorgehen zwingend erforderlich ist, da alle therapeutischen Erkenntnisse sich immer nur konkret auf eine bestimmte Situation (Stadium) der Krebserkrankung beziehen.
Zielgerichtete, sinnvolle, erprobte und wissenschaftlich gesicherte Therapieverfahren bedingen also die Kenntnis des jeweiligen Krankheitsstadiums. Bereits 1932 wurde von Londoner Pathologen Dukes eine Stadieneinteilung formuliert, die lange gebräuch-lich war. Heute wird standardmäßig das sog. TNM-System verwendet (s.u.).
Grundlage aller Einteilungen ist dabei das Ausmaß der Durchdringung der einzelnen Darmwandschichten durch den Tumor (T), die weitere Ausbreitung in Lymphknoten (N) und der Befund von Tumorabsiedlungen in anderen Organen (=Metastasen [M). Je ausgedehnter ein solcher Befund ist, desto schlechter ist auch die Prognose.

Prognose / 5-Jahresüberlebensrate (5-JÜR)

Ein objektiver und sinnvoller Indikator der Prognose ist die Überlebensrate (Anteil der im Durchschnitt noch lebenden Patienten in %) nach 5 Jahren (5-JÜR).
Aber Vorsicht: dieser Wert hat aber gerade auch für den Laien seine Tücken:

  1. die 5-JÜR ist auch für „Gesunde“ jeden Lebensalters nicht 100 %, denn die versterben auch (z.B. an Unfällen)
  2. die 5-JÜR für die Krebspatienten schließt auch die Todesfälle an anderen Erkrankungen ein, d.h. es handelt sich um eine Gesamtprognose, nicht eine isolierte Tumorprognose
  3. die 5-JÜR hat in unterschiedlichen Altersphasen unterschiedliche Aussagekraft (eine 5-JÜR von 50 % ist hervorragend, wenn –z.B. aufgrund hohen Alters die 5-JÜR in der nicht an Krebs erkrankten Kontrollgruppe 55 % wäre; eine 5-JÜR von 50 % ist relativ schlecht, wenn die nicht an Krebs erkrankte Kontrollgruppe eine 5-JÜR von 98 % aufweist)
  4. es handelt sich immer um einen Mittelwert; die individuelle tatsächliche Lebenserwartung kann hiervon deutlich (nach oben und nach unten) abweichen und:
  5. was nützt die „Kenntnis“ einer statistischen Größe, an der ich als Patient gar nichts ändern
    kann?
    Sie nützt dem Patienten im Sinne einer sachlichen Einschätzung seiner Prognose (was plane ich noch, welchen Zeitrahmen kann ich voraussichtlich noch nutzen ?), sie nützt aber auch im Sinne von Freude über einen individuellen Verlauf, der sich als günstiger erweist, als die bisher abzusehende (durchschnittliche) Prognose
  6. Die 5-JÜR sagt nichts aus über die tatsächlich empfundene Lebensqualität.
  7. Die 5-JÜR ist eine beobachtete, deskriptive und retrospektive Größe, die ggfs. neue therapeutische Möglichkeiten nicht berücksichtigt, d.h. bei gleichem Tumorstadium entspricht die 5-JÜR von 1960 nicht der 5-JÜR von 2010.

Dukes-Klassifikation (modifiziert n. Astler-Coller)

Stadium Beschreibung 5-JÜR
A Tumor auf die Mukosa (Schleimhaut) beschränkt 80 %
B1 Tumor reicht bis zur Muscularis mucosae, Submukosa oder T. muscularis propria
B2 Tumor durchdringt die Muscularis propria 60 %
C1 Tumor dringt in die Muscularis propria ein und Lymphknotenbefall
C2 Tumor durchdringt M. propria und LK-Befall 30 %
D Fernmetastasen 1 %

TNM-Tumorformel

Um die bestmögliche Therapie einleiten zu können ist heute die Formulierung einer sog. „Tumorformel“ ein Standard, dessen Aussage bereits vor einer Operation sinnvoll sein kann (z.B. zur Frage, ob beim Vorliegen von Lebermetastasen eine Entfernung dieser Herde direkt im Rahmen der Dickdarmoperation sinnvoll ist oder aber später, nach Vorbehandlung, oder auch gar nicht), die aber erst nach der Operation vollständig ist. Diese Tumorformel kann sich auch im Verlauf der weiteren Erkrankung (z.B. durch neu nachweisbare Metastasen) ändern, ist aber für den Originalbefund mit der Operation zunächst eine sehr feste Grundlage der weiteren Therapie (und auch der Prognose).

T Größe und Ausdehnung des Primärtumors,
N Anzahl / Gruppierung der befallenen regionären Lymphknoten
M Auftreten und die Lokalisation von Fernmetastasen (Tumorabsiedlungen).

TNM-Klassifikation beim Kolonkarzinom

Tx Primärtumor kann nicht beurteilt werden
T0 Kein Anhalt für Primärtumor
Tis Carcinoma in situ
T1 Tumor infiltriert die Submukosa
T2 Tumor infiltriert die Muscularis propria
T3 Tumor infiltriert die M. propria in die Subserosa oder
in nicht peritonealisiertes perikolonisches oder perirektales Gewebe
T4 Tumor infiltriert direkt in andere Organe oder Strukturen
und/oder perforiert das viszerale Peritoneum
Nx Benachbarte (regionäre) Lymphknoten sind nicht beurteilbar
N0 Kein Anhalt für benachbarte Lymphknotenmetastasen
(mindestens 12 Lymphknoten wurden untersucht)
N1 Metastasen in 1-3 regionären Lymphknoten
N2 Metastasen in 4 oder mehr regionären Lymphknoten
Mx Vorliegen von Fernmetastasen kann nicht beurteilt werden
M0 Kein Anhalt für Fernmetastasen
M1 Nachweis von Fernmetastasen. Diese treten am häufigsten in Leber, Lunge und Lymphknoten, seltener im Gehirn und im Skelett auf.

Um eine genaue Beurteilung über das zu erwartende Verhalten des Tumors beim betroffenen Patienten zu erreichen, bedarf es jedoch zusätzlicher Detail-informationen. Diese ergeben sich aus der feingeweblichen Beurteilung (Histologie) des Grades der Bösartigkeit durch den Pathologen (Vergleich der Zellen in der Gewebeprobe bei der Endoskopie / im Operationspräparat mit den normalen Organzellen) und die Randbeurteilung des operativ entfernten Darmabschitts (bzw. der Metastase).

Grading (Zellähnlichkeit mit normalen Organzellen)

Gx Präparat feingeweblich nicht beurteilbar
G1 Hochdifferenzierter Tumor
G2 Mäßig differenzierter Tumor
G3 Schlecht differenzierter/undifferenzierter Tumor

Von entscheidender Bedeutung ist natürlich auch die Frage, ob der Tumor vollständig („im Gesunden“) entfernt werden konnte. Die hierbei zu berücksichtigenden Sicherheitsabstände, die den Begriff „vollständig im Gesunden entfernt“ zulassen, sind für die Resektatgrenzen exakt definiert und werden durch den Pathologen überprüft.
Die Angaben hierzu werden mit dem Buchstaben R (für Residualtumor) versehen.

R-Klassifikation (Resttumor nach Operation)

Rx Residualtumor kann nicht bestimmt werden
R0 Kein Residualtumor
R1 Mikroskopisch nachgewiesener Residualtumor
R2 Sichtbarer Residualtumor

Eine vollständige Tumorformel könnte also z.B. folgendermaßen aussehen:

Vor der Operation: pT3, G3, N1, M1
d.h. es handelt sich um einen großen Primärtumor, der die Dickdarmaußenseite erreicht, dessen Gewebeprobe eine hohe Bösartigkeit (Entdifferenzierung) aufweist, bei dem bereits vor der Operation z.B. 2 pathologisch veränderte Lymphknoten nachweisbar sind und bei dem eine Metastasierung (z.B. in die Leber) vorliegt.
Bei der Operation: pT4, G3, N2, M1, R0
d.h. es war erst in der Operation erkennbar, dass der Tumor die Dickdarmaußenseite überschritt und in umliegendes Gewebe eindringt, zudem waren mehr (> 4) Lymphknoten durch den Tumor infiltriert. Der Chirurg sieht den Tumor im Gesunden, d.h. mit ausreichendem Sicherheitsabstand entfernt. Die Metastase in der Leber wurde nicht entfernt.
Beim Pathologen: pT4, G3, N2, Mx, R1
Der Pathologe bestätigt die Tumorausdehnung, das von ihm anhand der Biopsie beurteilte Grading, die > 4 pathologisch infiltrierten LK, kann formal (ohne Kenntnis der Vorbefunde durch die Kliniker und ohne Gewebeprobe) zur Lebermetastase nicht Stellung nehmen und erkennt in der Mikroskopie Tumorzellen im Resektat, die dichter am Absetzungsrand sind als die festgelegten Sicherheitsabstände. Dieser Befund ist mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen gewesen.

Die Zusammenführung der verschiedenen Informationen, d.h. hier im Beispiel insbesondere die Beurteilung der Metastase (wie gesichert ?) im Rahmen der Tumorformel, aber auch die Berücksichtigung anderer relevanter Aspekte (z.B.: stenosierender Tumor, Tumormarker, familiäre Krebshäufung, Vorliegen anderer wesentlicher Erkrankungen, z.B. einer Colitis ulcerosa) ist Gegenstand der regelmäßigen interdisziplinären Tumorkonferenz im Tumorzentrum.

Bildgebende Verfahren

Die exakte Erfassung von Fernmetastasen ist von besonderer Bedeutung, da dieser Befund erheblichen Einfluss auf die Prognose, aber auch auf die weitere Behandlungsstrategie hat.
Standardverfahren sind dabei die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Bauchraumes und die
Röntgenuntersuchung der Lunge / des Brustkorbs in 2 Ebenen.

Eine Spiral-CT-Untersuchung (Computertomographie) kann im Einzelfall nützlich sein, wenn der Ultraschallbefund unzureichend oder unklar ist. Die Kernspintomographie ist eine Alternative zur Spiral-CT-Untersuchung, aber nicht diagnostischer Standard. Bei unklarem Röntgenbefund der Lunge (verdächtiger Befund) sollte eine Spiral-CT-Untersuchung des Brustkorbs erfolgen.
Bei tief gelegenem Dickdarmkrebs (Sigma, Rektum) ist eine Computertomographie des Beckens indiziert, wenn der Verdacht auf eine Infiltration der Harnwege im Ultraschall besteht oder Erythrocyten (rote Blutkörperchen) im Urin (Urinsediment) nachgewiesen werden. Bei Verdacht auf eine Blasen-Infiltration durch den Tumor ergibt die Blasenspiegelung (Cystoskopie) durch den Urologen Klarheit, bei Verdacht auf eine Infiltration der Gebärmutter oder der anliegenden weiblichen Geschlechts-organe (Eierstock, Eileiter) die gynäkologische Untersuchung.

Vielfach besteht die Annahme, es müssten alle verfügbaren bildgebenden Verfahren eingesetzt werden, die zur Verfügung stehen, also Ultraschall, Computertomographie und Kernspintomographie (MRT), möglichst auch noch z.B. die Positronenemissionstomographie (PET).
Dies wäre nicht nur nicht bezahlbar, es ist auch absolut nicht sachgerecht. Niemand wird z.B. bei einem Skiunfall bei einem eindeutig erkennbaren oder eindeutig nicht nachweisbaren Knochenbruch im Röntgenbild zusätzlich ein CT anfertigen. Bei verdächtigem aber unklar verbleibendem Befund kann dies jedoch durchaus erforderlich werden.
Standard für den Nachweis von Lebermetastasen, Ascitesbildung (Bauchwasser, z.B. durch peritoneale [Bauchfell-]Metastasierung) oder den Aufstau des Harnleiters / ein- oder beidseitige Nierenstauung und die Infiltration von Blase bzw. Adnexe / Uterus stellt die Ultraschalluntersuchung dar. In geübten Händen lassen sich dabei zusätzlich Lymphknotenmetastasen und der Darmkrebsbefund entdecken. D.h. nicht, dass mit einer hervorragenden Ultraschalluntersuchung auf die Darmspiegelung verzichtet werden könnte.

Die Darmspiegelung ist in der Diagnostik des Darmkrebses unverzichtbar !

Sie wird jedoch ergänzt durch Schnittbildverfahren, d.h. Techniken, die zeigen, wie weit ein Tumor auf die Außenseite des Darmes durchgedrungen ist und ob dort bereits Absiedlungen vorliegen.

Ultraschalluntersuchung

Die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) ist mit den heute verfügbaren, hochauflösenden Geräten ein hervorragendes Verfahren zum Nachweis / Ausschluss von Lebermetastasen. Die Geräte verfügen über eine höhere Ortsauflösung als z.B. das CT. Umgekehrt ist die Übersicht des CT bei der Darstellung luftüberlagerter Strukturen (z.B. pathologischer Lymphknoten) zuverlässiger. Da die regionären Lymphknoten bei der Operation des Darmkrebses aber in jedem Fall sämtlich operativ entfernt werden, spielt dieser Aspekt keine Rolle für die Methodenwahl. Die entsprechende S3-Leitlinie zum Kolonkarzinom sieht dementsprechend die Ultraschalluntersuchung als Standard vor.

Einen bedeutsamen Fortschritt stellt hierbei die Kontrastmittel-Sonographie (CEUS= contrast enhanced ultrasound) dar, die Metastasen entdecken kann, die sich dem Nachweis im normalen Ultraschallbild entziehen bzw. unklare Befunde zu differenzieren vermag. Das Ultraschall- Kontrastmittel wird dabei in eine Vene injiziert; es ist chemisch gänzlich verschieden von Röntgenkontrastmitteln und kann entsprechend auch bei einer Allergie gegen jodhaltige (Röntgen)Kontrastmittel (und auch bei Überfunktion der Schilddrüse) eingesetzt werden.
Allerdings ist (wie bei allen Medikamenten) eine Allergie auf das US-Kontrastmittel möglich und auch Patienten mit schweren Durchblutungsstörungen des Herzens sollten kein US-Kontrastmittel erhalten.


Charakterisierung eines kleinen (12 mm) unklaren Leberherdes als Metastase durch CEUS



Nachweis von 2 Metastasen-typischen, aber undeutlichen 3,9 bzw 5,1 cm messenden Herdbildungen im rechten Leberlappen in der konventionellen Sonographie (obere Abb.).
Nach Kontrastmittelgabe (Sonovue R) deutlich bessere Darstellung, Nachweis weiterer Herdbildungen und Charakterisierung als Metastasen (untere Abb.).

In verbleibend unklaren Situationen –mit CEUS seltener als früher- kann die Ultraschall-gezielte Feinnadelpunktion (FNP) eines verdächtigen Herdes in der Leber Klarheit verschaffen, ob es sich um eine Metastase (oder z.B. einen anderen Tumor !) handelt. Diese Gewebsentnahme erfolgt nach örtlicher Betäubung der Haut und des Bauchfells durch eine dünne (1mm) Nadel, deren Verlauf während der Punktion sonographisch verfolgt wird und die damit zielgerichtet in den verdächtigen Herd gesteuert werden kann. Das Risiko, hierdurch Tumorzellen zu verschleppen, ist dabei prognostisch und therapeutisch nicht relevant.
(Einzelne Tumorzellen lassen sich beim Darmkrebs übrigens mit sehr sensitiven Forschungsmethoden der Gentechnik auch bei frühen Tumorstadien im Knochenmark nachweisen. Diese haben ebenfalls keinen Einfluss auf die Heilung des Krebses und werden auch nicht als Metastasennachweis im klinischen Kontext bewertet. Dementsprechend haben diese Techniken zwar wissenschaftliche, aber keine klinische Bedeutung für den Patienten und werden auch nicht klinisch eingesetzt).
Bei einer Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum (Ascites) ist zu klären, ob es sich um eine prognostisch besonders undankbare Tumormanifestation (Peritonealkarzinose) handelt oder z.B. eine Wasseransammlung im Rahmen einer Herzinsuffizienz oder Leberstauung. Dies ist mit einer einfachen Punktion unter Ultraschallsicht mit ultradünner Nadel einfach sowie praktisch schmerzfrei und gefahrlos möglich; das Punktat kann dabei im Labor und insbesondere auch zytologisch (Pathologie) untersucht werden.


Ascites / freie Flüssigkeit zwischen Dünndarmschlingen

Spiral-CT (Computertomographie)

Die CT-Untersuchung des Bauchraums, des Unterbauchs oder der Brustorgane (Lungenmetastasen) ist bei unklaren oder ergänzungsbedürftigen Befunden (s.o.) angezeigt. Technische Auflösung und Übersicht sind vorzüglich; Einschränkungen erfährt die Methode bei unzureichender Abgrenzung durch Strukturen des Magen-Darmtraktes. Daher ist eine Kontrastierung des Darms durch Kontrastmittel (oral=getrunken bei Fragestellungen im Oberbauch / in den Enddarm bei Fragestellungen im Beckenbereich) und zusätzliche intravenöse Gabe von jodhaltigem Röntgenkontrastmittel erforderlich. Dementsprechend bestehen Einschränkungen der Anwendung u.a. bei Allergie gegen jodhaltige Kontrastmittel, Schilddrüsenüberfunktion oder Nierenfunktionsstörungen.

Endosonographie

Die Endosonographie ist ein Ultraschallverfahren, bei dem der Schallkopf in einer Endoskopsonde direkt über dem Tumor aufgesetzt werden kann. Besonders hohe Ultraschallfrequenzen ermöglichen dabei eine besonders feine Auflösung, während die Eindringtiefe eingeschränkt ist. Die Technik findet insbesondere als endorektale Sonographie Anwendung beim Rektumkarzinom (Enddarmkrebs), d.h. Tumoren, die in den letzten 16 cm des Enddarms gelegen sind. Hier besitzt die Beurteilung der Tumorinfiltration große Bedeutung zur Frage einer möglichen lokalen Resektabilität durch die endorektale Abtragung einerseits und für die optimale Therapieplanung bei größeren Tumoren (T3), da diese u.U. von einer der Operation vorgeschalteten (=neoadjuvanten) Bestrahlungsbehandlung profitieren.


Endosonographischer Befund eines auf die Submukosa beschränkten Tumors (T1) im Rektum

Tumormarker (CEA)

Entgegen landläufiger Meinung ist die Bestimmung von Tumormarkern bei Tumoren des Magen-Darmtraktes KEIN zur Erkennung von Tumoren geeignetes Verfahren.
Dabei steht mit dem CEA (carcinoma embryonales Antigen) durchaus ein zuverlässig messbarer Tumormarker für das Kolorektale Karzinom zur Verfügung.
Zuverlässig messbar bedeutet jedoch nicht: immer positiv bei vorhandenem Tumor oder immer negativ bei nicht vorhandenem Tumor. Etwa 80 % der Patienten mit Kolonkarzinom haben einen erhöhten CEA-Wert im Blut (Sensitivität 80%). Auch die Spezifität ist durch falsch positive Befunde, z.B. bei Rauchern, im Alter, bei Lebererkrankungen speziell durch Alkohol, bei Divertikulitis, bei Colitis ulcerosa, bei entzündlichen Lungenerkrankungen sowie anderen Tumorerkrankungen (Lunge, Magen-, Brustkrebs) eingeschränkt.
Die Sensitivität hängt überdies eindeutig vom DUKES-Tumorstadium ab:

CEA-positiv sind 0-20 % im Std. DUKES A
40-60 % im Std. DUKES B
60-80 % im Std. DUKES C und
80-85 % im Std. DUKES D,

d.h. gerade die frühen Tumorstadien würden fälschlich nicht erfasst, wenn sich der Arzt auf eine CEABestimmung verlässt.

Der wahre Wert der CEA-Tumormarkerbestimmung beim Darmkrebs besteht in der Verlaufsbeurteilung. Patienten mit erhöhten präoperativen CEA-Werten zeigen 2-4 Wochen postoperativ eine Normalisierung, wenn der Tumor vollständig entfernt ist. Steigt der CEA-Wert im weiteren Verlauf dann wieder an, ist von einem Rezidiv (Wiederauftreten des Tumors) im Darm, neben dem Darm oder in Form von Metastasen zu rechnen. Konsequenz ist eine entsprechende erneute Diagnostik.

Andere Untersuchungen

Weitere Blutuntersuchungen ermöglichen die Beurteilung zusätzlicher Aspekte. So ist z.B. eine Blutarmut (Anämie) bedeutsam, die Veränderung der Bluteiweiße, die Blutsenkung, aber auch die Nieren- und Leberfunktion.
In der Regel ist bei den modernen Möglichkeiten der Narkoseführung fast immer eine Operation möglich und nur selten ist sie nicht mehr angezeigt. Anders ist das u.U. mit weiterführenden Maßnahmen wie einer postoperativen Chemotherapie.

Kontraindikationen für eine nachgeschaltete (adjuvante) Chemotherapie sind z.B.

  • Schlechter Allgemeinzustand ( < WHO 2)
  • Unkontrollierte Infektionen
  • Leberzirrhose im Stadium Child B / C
  • Schwere koronare Herzkrankheit
  • Fortgeschrittene Herzinsuffizienz NYHA III / IV
  • Präterminale / terminale Niereninsuffizienz
  • Eingeschränkte Knochenmarksfunktion
  • Unvermögen, an regelmäßigen Kontrolluntersuchungen teilzunehmen.

Der Nachweis / Ausschluss derartiger Befunde gehört daher auch in das Spektrum der ggfs. im
Umfeld des Darmkrebses notwendigen Untersuchungen.
Bei Verdacht auf Knochenmetastasen kann eine Skelettszintigraphie pathologische Befunde sensitiv aufdecken. Die Metastasierung in das Skelett ist bei kolorektalen Karzinomen eigentlich sehr selten,
wird aber vermehrt beobachtet, nachdem durch wirksame Chemotherapieverfahren mit entsprechend günstigerem Überleben auch in fortgeschrittenen Tumorstadien deutlich längere Behandlungsverläufe die Regel sind. Die Untersuchung beinhaltet die intravenöse Injektion einer schwach radio-aktiven Substanz, deren Verteilungsmuster im Skelett eine Darstellung metastatisch veränderter Areale ermöglicht. Das verabreichte Radiopharmakon zerfällt rasch und stellt keine Gefährdung dar. Pathologische Knochenabschnitte werden gezielt geröntgt, um zu klären, ob stabilisierende Maßnahmen (Strahlentherapie / Operation) erforderlich sind.

Darmzentrum im Tumorzentrum Emscher-Lippe (TUZEL)

Die genannten Fakten verdeutlichen, dass nicht nur die Entdeckung eines Darm-krebses und seiner Vorstufen im Zentrum der diagnostischen Bemühungen stehen sondern insbesondere auch das für die weitere Behandlung und prognostisch bedeutsame „Staging“ und die abgestimmte Betreuung der Patienten im Verlauf, um Rezidive oder spätere Metastasen frühzeitig zu erfassen.
Das Ausmaß, in dem eine Leitlinien-gerechte Diagnostik und Therapie bei unseren Patienten bereits erfolgt, zeigt, dass wir im Zusammenschluss mehrerer Kliniken im Emscher-Lippe-Bereich absolut konkurrenzfähig mit universitären Zentren sein können; als großer Vorteil ist dabei die wohnortnahe und individuelle Versorgung zu nennen.

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