Diagnostik

Diagnostik

Zuerst die richtige Diagnose

Modernste Diagnoseverfahren sind für eine erfolgversprechende Behandlung einer Brustkrebserkrankung bedeutsam.
Um eine der beschriebenen Veränderungen weiter untersuchen zu können, kommen heute folgende Verfahren zur Anwendung, die ihnen im Brustzentrum Emscher-Lippe selbstverständlich ausnahmslos zur Verfügung stehen:

  • Mammographie (durch den Radiologen)
  • Sonographie der Brust (durch den Radiologen und Gynäkologen),
  • Zytologie (durch den Pathologen und Gynäkologen),
  • Galaktographie (durch den Radiologen und Gynäkologen),
  • MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie) durch den Radiologen,
  • minimal-invasive Biopsie (Gewebsentnahme mittels Stanz- oder Vakuumdiagnostik) durch den Gynäkologen und Radiologen,
  • offene Biopsie (größere Gewebsentnahme) durch den Gynäkologen.

Sollte sich im Verlaufe der Untersuchungen der als auffällig erkannte Befund bestätigen, wird in der Regel eine Gewebeprobe entnommen. Für die Gewebsentnahme gibt es verschiedene Techniken, abhängig vom jeweiligen Befund.
Die entnommene Gewebsprobe bzw. das bei Blutungen oder anderen flüssigen Absonderungen aus der Brustwarze gewonnene Zellmaterial wird vom Pathologen des Brustzentrums Emscher-Lippe untersucht.
Das Ergebnis der Zell- bzw. Gewebeuntersuchung liegt in aller Regel am nächsten Werktag vor.

Die diagnostischen Verfahren im Einzelnen:

Mammographie

Die Mammographie (Röntgenuntersuchung der Brust) gehört neben der Brust-Sonografie zu den wichtigsten bildgebenden Untersuchungsmethoden der Brust, um auffällige Veränderungen des Drüsenkörpers oder der Haut abzuklären.
Bei der Mammographie wird die Brust mit Röntgenstrahlen durchleuchtet. In der Regel werden zwei Aufnahmen gemacht, da bei Aufnahmen in nur einer Ebene ein diagnostischer Verlust von 20% zu erwarten ist.

Eine Aufnahme durchleuchtet dabei die Brust von oben nach unten, die andere seitlich schräg von unten nach oben. Auf diese Weise können Knoten gefunden werden, die nicht tastbar sind. Ebenfalls können durch eine Mammographie Verkalkungen in den Milchgängen der Brust sichtbar werden, die sich sonst nicht nachweisen lassen. Solche Verkalkungen können Hinweise auf Krebsvorstufen sein. Auch gutartige Veränderungen wie Zysten oder Verdichtungen des Drüsenkörpers (Mastopathie) können durch eine Mammografie beurteilt werden.

Eine erfolgreiche Behandlung von Brustkrebs hängt auch wesentlich von der Qualität ab, mit der eine Mammographiediagnostik durchgeführt wird.
Zertifizierte Mammographie-Geräte halten darüber hinaus anspruchsvolle Grenzwerte bei der Strahlenbelastung ein.
Die Bilder werden anschließend von zwei Fachärzten unabhängig voneinander ausgewertet. Der Befund wird dabei nach strengen Leitlinien in gängige Klassifikationen eingeordnet.
Die Klassifikation von Herdbefunden erfolgt nach BI-RADS:

  • BI-RADS 1: Normalbefund
  • BI-RADS 2: gutartige Veränderung
  • BI-RADS 3: wahrscheinlich gutartige Veränderung, jedoch Kontrolle notwendig
  • BI-RADS 4: auffällige Veränderung, Abklärung notwendig
  • BI-RADS 5: hochgradiger Verdacht auf Bösartigkeit

Lässt sich durch die Mammografie nicht eindeutig klären, ob eine Veränderung bösartig ist oder nicht, wird ergänzend eine Sonografie der Brust durchgeführt.

  • BI-RADS 6: Befund histologisch gesichert.

Sonographie der Brust

Die Sonographie (Ultraschall) ist die wichtigste Ergänzungsmethode zur Mammographie in mammographisch dichten Geweben. Deshalb kommt sie vorwiegend bei schwangeren Frauen, bei Frauen unter 50 Jahren und bei Frauen mit Hormonersatztherapie besonders effektiv zum Einsatz.
Oft kann der Ultraschall dazu beitragen, Veränderungen, die in der Mammographie aufgefallen sind, weiter abzuklären. Besonders gut gelingt dies bei der Unterscheidung zwischen Tumoren und flüssigkeitsgefüllten Zysten, was bei der Mammografie nicht immer möglich ist.

Bei der Sonografie werden Schallwellen eingesetzt, die durch die Haut in den Körper eindringen. Die Schallwellen werden im Körper je nach Gewebeart unterschiedlich reflektiert. Mit Hilfe eines Computers werden aus diesen reflektierten Schallwellen Bilder erzeugt. Bei einer Sonografie tritt keine Strahlenbelastung auf, so dass die Untersuchung beliebig oft wiederholt werden kann.

Die Treffsicherheit des Ultraschalls ist jedoch bei besonders kleinen Brustkrebsherden und so genannten Vorstufen eingeschränkt. Deshalb werden Mammografie und Ultraschall immer gemeinsam eingesetzt, wenn es darum geht eine Krebserkrankung auszuschließen.
Ein unauffälliger Ultraschall der Brust kann einen mammographisch oder klinisch bestehenden Verdacht auf Bösartigkeit nicht widerlegen.

Zytologie

Wenn spontan aus einer Brustwarze Flüssigkeit (Sekret) austritt (außerhalb der Schwangerschaft und Stillperiode), sollten Sie die Ursache generell durch Ihren Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin abklären lassen.
Bei auffälliger Sekretion kommt eine Sekretzytologie in Frage. Auch eine beidseitige Sekretion kann als verdächtig eingestuft werden, wenn keine hormonelle Ursache gefunden werden kann.
Oft lässt die Untersuchung des Sekretes aber keine eindeutige Diagnose zu, so dass weitere bildgebende Verfahren, wie beispielsweise eine Galaktographie, notwendig werden. Werden bösartige Zellen nachgewiesen, so ist die Aussage dagegen eindeutig und die Notwendigkeit einer Operation wird festgestellt.

Galaktographie

Die Galaktografie ist eine Sonderform der Mammographie und dient der Darstellung von Veränderungen im Milchgangssystem. Dabei wird ein wasserlösliches Kontrastmittel in den Milchgang eingespritzt, der Flüssigkeit absondert. Im Röntgenbild können anschließend Füllungsdefekte oder Gangabbrüche nachgewiesen werden.
Das Einführen einer stumpfen Kanüle in den betroffenen Milchgang auf der Brustwarze ist allerdings häufig technisch schwierig und leicht schmerzhaft.

MRT

Die MRT (Magnetresonanztomographie) mit Kontrastmittel ist das sensibelste und feinste Ergänzungsverfahren zur Mammographie. Mit dieser Methode lassen sich alle bösartigen Gewebeveränderungen darstellen. Allerdings verbirgt sich häufig hinter einem scheinbar bösartigen Prozess eine gutartige Veränderung. Deshalb sollte diese Methode erst dann eingesetzt werden, nachdem alle anderen diagnostischen Mittel ausgeschöpft wurden. Die MRT darf nur in Kombination mit einer Mammografie beurteilt werden. Sie sollte zwischen dem 7. und 14. Zyklustag durchgeführt werden, da ansonsten die Möglichkeit eines falschen positiven Ergebnisses besonders hoch ist.
Eine MRT-Untersuchung der Brust kommt in folgenden Fällen (entsprechend ihrer Häufigkeit) in Frage:

Nach einer brusterhaltenden Operation: zur Unterscheidung zwischen einer Narbe und einem Zweittumor
Nach einer Prothesenimplantation: zur Abklärung von verdächtigen Befunden oder zur Abklärung von Prothesendefekten
Vor einer brusterhaltenden Operation: zum Ausschluss von mehreren Krebsherden in einer Brust, wenn der Brustdrüsenkörper in der Mammografie und Sonografie schwer beurteilbar war
Bei auffälligen Lymphknoten: zur Suche nach einem Tumorherd in der Brust, wenn Mammografie und Sonographie keinen Hinweis auf einen Krebsherd ergaben.

Minimal invasive Biopsie

Nach den in Deutschland gültigen gesetzlichen Vorgaben, ins besondere der Röntgenverordnung, muss ein Mammographiegerät regelmäßigen täglichen und umfangreichen jährlichen Kontrollen unterzogen werden die gewährleisten, dass technische Mängel sofort erkannt und beseitigt werden können. Diese Kontrollen werden durch staatliche und besondere ärztliche Stellen überwacht und ergänzt werden; sie garantieren, dass Mammographien immer nach dem gegenwärtigen Stand von Wissenschaft und Technik sowie mit höchster Qualität durchgeführt werden.
Unter einer sogenannten Biopsie versteht man die Entnahme von Zellen oder Gewebe aus verdächtigen Drüsenabschnitten. Wenn der Verdacht auf eine Tumorbildung aufgrund einer Sonografie oder Mammografie besteht, ist zur Sicherung der Diagnose eine Gewebeentnahme zwingend notwendig.

Minimale Biopsieverfahren erlauben eine Gewebeentnahme mittels einer Punktion durch die Haut, die auch bei Herden durchgeführt werden kann, die nicht tastbar, sondern nur mit Mammographie, Ultraschall oder Magnetresonanzmammographie erkannt werden können. Diese Maßnahme erfordert lediglich eine örtliche Betäubung. Sie erlaubt dem Pathologen eine exakte Diagnose zu stellen und dadurch die Planung der weiteren Therapie zu gewährleisten.

Im Fall eines gutartigen Knotens bleibt der Patientin eine weitere Operation meist erspart. Werden bösartige Zellen festgestellt, kann die Patientin durch die Kenntnis der Tumoreigenschaften über die weitere Therapie differenzierter beraten werden.

Die Gewebsentnahme erfolgt in Form einer Hochgeschwindigkeits- oder Vakuumbiopsie.

Bei der Hochgeschwindigkeitsbiopsie wird eine Kanüle mit hoher Geschwindigkeit, die das Ausweichen des Gewebes unmöglich macht, eingebracht und durch eine zylindrische Schneidkanüle aus dem umgebenden Gewebe herausgeschnitten. Damit der Vorgang vielfach wiederholt werden kann, erfolgt die Einbringung des Systems durch eine größere Kanüle (Koaxialkanüle), die während des gesamten Vorganges in der Brust verbleibt (Abb.). Durch diese Koaxialtechnik wird auch sicher gestellt, dass bei der Gewebsentnahme aus einem bösartigen Tumor keine Zellen in die Umgebung verschlappt werden.
Die Vakuumbiopsie unterscheidet sich dadurch, dass eine Schneidkanüle mit einem größeren Durchmesser verwendet wird, in die das Gewebe durch ein Vakuum hineingezogen und dann abgetrennt wird. Der Vorteil liegt darin, dass größere Gewebszylinder und dadurch mehr Gewebsanteile gewonnen werden, die dem Pathologen eine exaktere und umfangreichere Diagnose ermöglichen. Mit der Vakuumbiopsie können gegebenenfalls auch kleinere gutartige Knoten vollständig entfernt werden.

Nur selten wird die perkutane Biopsie allein anhand eines tastbaren Knotens ausgeführt. Zumeist wird der Knoten mittels Ultraschall geortet und die Kanüle unter fortlaufender Beobachtung im Ultraschallbild an den Herd geführt. Dadurch ist gewährleistet, dass auch tatsächlich das verdächtige Gewebe entnommen wird und bei einem gutartigen Befund ein bösartiges Geschen mit größter Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Dennoch wird zur Sicherheit in der Regel nach einer negativen minimal invasiven Biopsie eine Kontrolluntersuchung etwa in einem Abstand von einem halben Jahr durchgeführt.

Handelt es sich bei einer verdächtigen Läsion ausschließlich um Verkalkungen so können diese im Ultraschall nicht wahrgenommen werden. Es kommt dann die stereotaktische Biopsie mit Hilfe eines Röntgengerätes zur Anwendung. Das Prinzip besteht darin, dass mittels zweier Aufnahmen die Verkalkungen in den drei Ebenen des Raumes exakt lokalisiert werden können. Die so ermittelten Koordinaten erlauben eine Einbringung des Biopsiesystems an die entsprechende Stelle. Zumeist wird bei Verkalkungen eine Vakuumbiopsie durchgeführt und etwa zwanzig Zylinder entnommen. Diese Zylinder werden am Mammographiegerät untersucht, so dass die korrekte Entnahme des Mikrokalkes sichergestellt ist.

Im Brustzentrum Emscher-Lippe ist auch die Möglichkeit gegeben, Gewebe mit einer minimal invasiven Biopsie zu entnehmen, welches ausschließlich mit der Magnetresonanzmammographie MRM zu entdecken und somit auch zu orten ist. Diese Möglichkeit steht nur in wenigen Zentren in Deutschland zur Verfügung.

Offene Biopsie

Es ist heute nur selten erforderlich, einen Herd durch einen größeren Hautschnitt zu entnehmen (offene Biopsie). Diese Maßnahme wird im Brustzentrum immer in Vollnarkose im Operationssaal durchgeführt.
Handelt es sich um einen nicht tastbaren Herd, so muss er mit der Methode markiert werden, mit der er am sichersten erkennbar ist. Bei dieser präoperativen Markierung wird ein Drahtanker ultraschall-, stereotaktisch mammographisch oder mittels MRM gezielt in den Herd eingebracht, sodass er vom Operateur aufgefunden und entfernt werden kann. Häufig wird das Präparat mittels Mammographie untersucht und für den Pathologen markiert (Präparatradiographie). Insbesondere bei Kalkablagerungen kann mit dieser Methode festgestellt werden, ob der Herd vollständig erfasst und entfernt wurde.
Muss bei einer Sekretion aus der Brustwarze ein operativer Eingriff erfolgen, wird der sezernierende Milchgang präoperativ mit einem Gemisch aus Röntgenkontrastmittel und einem Farbstoff dargestellt. Dadurch ist gesichert, dass der Operateur den Milchgang findet, der vorher im Röntgenbild auffällig war.

Alle diese diagnostischen Verfahren erfordern eine enge fachübergreifende Zusammenarbeit von mehreren Experten unter Einbeziehung von Spezialisten der Gynäkologie, Radiologie, Strahlentherapie, Hämatoonkologie und Pathologie.

Damit wollen wir am Brustzentrum Emscher-Lippe die optimalen Voraussetzungen für eine qualitätsgesicherte Behandlung bei Brustkrebserkrankungen schaffen.

Die Frau steht stets im Mittelpunkt unserer Bemühungen. Wir setzen uns für eine aktive Rolle der Frau bei der Entscheidungsfindung und Durchführung von Diagnostik und Therapie bei einer Brustkrebserkrankung ein.

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