Chemotherapie bei Darmkrebs

Chemotherapie bei Darmkrebs

Die Chemotherapie ist neben der Operation die wirksamste und erfolgreichste Behandlungsmethode gegen Darmkrebs. Je nach Erkrankungsstadium kann die Chemotherapie bei dem betroffenen Patienten angewendet werden. Dabei berücksichtigen die Ärzte auch Faktoren wie Aggressivität des Tumorwachstums und den Gesamtzustand des Patienten, um hinsichtlich einer Chemotherapie die richtige Entscheidung zu treffen.

Oft besteht die Möglichkeit, eine Chemotherapie ambulant durchzuführen, beispielsweise in einer Krankenhausambulanz, in einem Tumorzentrum oder in einer spezialisierten, onkologischen Arztpraxis. Dabei können der Behandlungssituation entsprechend unterschiedliche Krebsmedikamente und Therapieschemata zum Einsatz kommen.

In klinischen Studien, an denen man als Patient unter bestimmten Bedingungen teilnehmen kann, werden laufend neue Medikamentenkombinationen und Behandlungspläne erprobt.

Dringende Empfehlung: Lassen Sie sich durch einen Spezialisten beraten

Wir empfehlen Ihnen, sich über die Möglichkeiten einer Chemotherapie unbedingt bei einem erfahrenen Krebsspezialisten (Onkologen) zu erkundigen, der Ihnen Vor- und Nachteile der Therapie erklären und Empfehlungen nach dem neuesten Stand der Forschung geben kann. Denn welche Behandlung für Sie die richtige und sinnvollste ist, hängt von Ihrer ganz besonderen Krankheitssituation ab.

Der Onkologe wird Sie ausführlich über Zweck und Ablauf einer Chemotherapie informieren. Befassen Sie sich vor der Therapie damit, was mit Ihnen passiert, damit Sie sich auf die körperliche Belastung einstellen und so leichter mit den Nebenwirkungen umgehen können. Eine Chemotherapie dauert in der Regel rund ein halbes Jahr und erfordert von Ihnen Ausdauer. Die enge Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient ist dabei besonders wichtig.

Was Sie wissen sollten

Durch eine Chemotherapie werden Krebsgeschwülste verkleinert und im Körper verstreute Krebszellen getötet. Die dabei verwendeten Medikamente bezeichnet man als Zytostatika, die entweder mittels einer Infusion in den Körper gegeben oder als Tablette geschluckt werden. Der Wirkstoff des Medikamentes verteilt sich dann im gesamten Körper.

Therapieformen

Je nach Zielsetzung und der Situation des Darmkrebspatienten während der Therapie spricht man von adjuvanter, neo-adjuvanter oder palliativer Chemotherapie:

  • Adjuvante Chemotherapie:
    Die zusätzliche, unterstützende Chemotherapie nach der erfolgreichen Tumoroperation (R0-
    Resektion) bekämpft unentdeckt im Körper verbliebene Krebszellen, um die Heilungschancen zu
    verbessern.
  • Neo-adjuvante Chemotherapie:
    Eine Variante der adjuvanten, unterstützenden Behandlung, bei der die Chemotherapie vor der
    eigentlichen Operation stattfindet, hat das Ziel, Tumor oder Metastasen weitestgehend zu
    verkleinern, damit sie anschließend möglichst komplett herausoperiert werden können. Bei der
    Behandlung von Mastdarmkrebs gehört die neo-adjuvante Vorgehensweise mittlerweile zum
    Standard.
  • Palliative Chemotherapie:
    Hierunter versteht man eine Behandlung zur Verbesserung der Lebensqualität und Linderung von
    Beschwerden mit dem Ziel, das Krebswachstum bei fortgeschrittenem Tumorleiden zu stoppen
    oder zu verlangsamen. Auch wenn eine auf vollständige (kurative) Heilung zielende Behandlung
    nicht in Frage kommt, haben neuere medizinische Forschungen für die betroffenen Patienten
    Verbesserungen ermöglicht.
    Wann wird eine Chemotherapie eingesetzt?
    Das Krankheitsstadium bei Darmkrebs ist das entscheidende Kriterium dafür, ob eine Chemotherapie
    eingesetzt wird.
  • Darmkrebsstadium I:
    Dies gilt als sehr frühes Stadium, bei dem die Patienten nach einer erfolgreichen Darmoperation
    (R0-Resektion) als geheilt gelten, es ist keine Chemotherapie nötig.
  • Dickdarmkrebs im Stadium II:
    In diesem Stadium ist eine adjuvante Chemotherapie derzeit nicht Standard, jedoch kann bei
    Dickdarmkrebspatienten unter besonderen Umständen, z.B. bei besonders aggressiv wachsenden
    Tumorzellen, eine adjuvante Chemotherapie erwogen werden. Die Entscheidung darüber hängt
    von der individuellen Krankheitssituation ab.
  • Dickdarmkrebs im Stadium III:
    Im Stadium III ist eine adjuvante Chemotherapie nach der Operation angezeigt, da die Patienten
    mit Hilfe der adjuvanten Chemotherapie erfahrungsgemäß im Durchschnitt länger überleben
    können sowie das Risiko eines Tumorrückfalles mit der Chemotherapie um rund ein Drittel
    verringert wird.
  • Mastdarmkrebs im Stadium II oder Stadium III:
    Für alle Patienten ist eine Strahlentherapie oder Kombination der Chemo- und Strahlentherapie
    empfohlen, die häufig schon vor der Operation (neo-adjuvant) begonnen wird.
  • Darmkrebsstadium IV:
    In diesem fortgeschrittenen Stadium ist es oft nicht möglich, den Tumor vollständig operativ zu
    entfernen. In der Regel erhalten die Patienten nach der Operation eine Chemotherapie mit
    palliativer Zielsetzung, also um ein weiteres Tumorwachstum aufzuhalten und damit
    verbundene Beschwerden zu lindern. Auch Metastasen werden mit einer Chemotherapie
    behandelt.

Systemische Chemotherapie

Unter den verschiedenen Verabreichungsmöglichkeiten ist eine so genannte systemische Behandlung die übliche: Krebsmedikamente werden durch eine Infusion in eine Vene geleitet und verteilen sich über das Blutsystem im gesamten Körper. Meistens läuft die Infusion durch eine Vene am Arm, jedoch kann dies auch über einen speziellen Zugang, ein “Portsystem” unter der Haut im Brustbereich erfolgen. Für dieses „Portsystem“ wird eine Verbindung zu einer zentralen Körpervene angelegt. Als weitere systemische Möglichkeit ist die Chemotherapie in Tablettenform möglich, hierbei gelangen die Wirkstoffe über das Verdauungssystem in die Blutbahn.

Behandlungspläne

Eine Chemotherapie dauert in der Regel ein gutes halbes Jahr. Es werden so genannte Behandlungsprotokolle (Therapiepläne) erstellt, in denen die eingesetzten Medikamente festgelegt sind.

Behandlungsphasen und Erholungsphasen wechseln sich bei allen Chemotherapien ab. Den Zeitraum vom Beginn einer Behandlungsphase bis zum Ende der anschließenden Erholungsphase nennt man Zyklus. Eine komplette Chemotherapie bei Darmkrebs besteht üblicherweise aus vier, sechs oder zwölf Zyklen.

Adjuvante (unterstützende) Therapie

Nach einer erfolgreichen Operation, in der zuvor der Tumor vollständig entfernt werden konnte (R0-Resektion), kann eine adjuvante Chemotherapie erfolgen. Eine adjuvante Chemotherapie ist eine unterstützende Behandlungsmaßnahme, um die Chancen auf eine Heilung weiter zu erhöhen.

Eine neo-adjuvante Variante ist eine spezielle Form der adjuvanten Chemotherapie, in der die unterstützende Chemo- oder Strahlentherapie nicht nach, sondern bereits vor der Operation zum Einsatz kommt.
Um einen erneuten Darmtumor oder Metastasen zu verhindern, wird die adjuvante Chemotherapieeingesetzt. So werden Krebszellen bekämpft, die trotz erfolgreicher Operation womöglich unentdeckt im Körper verblieben sind. Mit Hilfe von Ultraschall oder Computer- oder Magnetresonanztomographie lassen sich solch kleinen Zellnester nicht nachweisen. Aus Erfahrung jedoch wissen Ärzte, dass ab einem bestimmten Krankheitsstadium das Risiko für einen Tumorrückfall vorhanden ist.

Adjuvante Behandlungsprotokolle bei Dickdarmkrebs

Die Standardbehandlung zur adjuvanten (unterstützenden) Chemotherapie bei Dickdarmkrebs stützt sich auf das Zytostatikum 5-FU, kombiniert mit der Folinsäure (5-FU/FA). Die Kombinationstherapie mit 5-FU/FA plus Oxaliplatin gilt mittlerweile als Standard für die adjuvante Chemotherapie bei Darmkrebs.

In der Regel beginnt die Chemotherapie in der adjuvanten Situation 6 bis 8 Wochen nach der Operation. Optional stehen folgende Behandlungspläne zur Verfügung:

  • Eine Möglichkeit:
    Tag 1 – Beginn mit einer zweistündigen Infusion mit Folinsäure (FA), dazu 5-FU als so genannte Bolusgabe, in Form einer Injektion, die maximal fünf Minuten dauert; anschließend wird 5-FU als langsame Dauerinfusion über 22 Stunden weiter verabreicht. Zusätzlich erhalten Sie Oxaliplatin in einer zweistündigen Infusion.
    Tag 2 – Wiederholung der Behandlung mit Folinsäure und der 5-FU-Bolusgabe plus 5-FUDauerinfusion, am zweiten Tag erhalten Sie jedoch kein Oxaliplatin. Anschließend gelten 12 Tage als Erholungsphase bevor ein erneuter Zyklus beginnt. Insgesamt werden 12 Zyklen behandelt, also 24 Wochen lang. Dieses Therapieschema mit 5-FU/FA plus Oxaliplatin wird FOLFOX4-Schema genannt.
  • Andere Möglichkeit:
    14 Tage lang morgens und abends Gabe des Medikaments Capecitabin in Tablettenform. In der darauf folgenden Woche erfolgt keine Einnahme. Dieser 3-wöchige Zyklus wird 8-mal wiederholt, die Behandlung dauert damit insgesamt 24 Wochen.

In manchen Fällen können die Chemotherapie-Behandlungsprotokolle geringfügig abweichen, insbesondere bei zu starken Nebenwirkungen. In diesem Fall wird nach Angabe der Ärzte, die Dosierung der Medikamente angepasst oder auf ein anderes Behandlungsprotokoll gewechselt.

Neo-adjuvante Therapie

Unter neo-adjuvante Therapie versteht man die Strategie, bei der die adjuvante Behandlung vor der Tumoroperation durchgeführt wird. Dies kommt regelmäßig beim Mastdarmkrebs im Stadium II und III vor, entweder als neo-adjuvante Strahlentherapie (Radiotherapie) oder kombiniert als neoadjuvante Strahlen- und Chemotherapie (Radiochemotherapie).

Ziel der neo-adjuvanten Behandlung ist es, dass der Tumor bereits vor der Operation so weit verkleinert wird, dass man ihn anschließend schonend und möglichst vollständig heraus operieren kann. Eine neo-adjuvante Radiochemotherapie vermindert in den meisten Fällen das Risiko für einen Tumorrückfall und erhöht die Heilungschancen bei Mastdarmkrebs.

Mastdarmkrebs: neo-adjuvante Radiochemotherapie mit 5-FU

Zum einen hemmen Zytostatika das Wachstum von Tumorzellen, zum anderen sorgen einige dafür, dass der Tumor gegenüber einer Strahlentherapie empfindlicher wird. Aufgrund dieser Eigenschaft wird das Zytostatikum 5-FU im Rahmen der adiochemotherapie gegen Mastdarmkrebs verabreicht.

Optional kann bei der Radiochemotherapie 5-FU alleine oder in Kombination mit Folinsäure (FA) gegeben werden.

Die Behandlungsdauer erstreckt sich über fünf Wochen: 1. Woche: An fünf aufeinander folgenden Tagen werden 5-FU-Infusion gegeben, gleichzeitig erfolgt die Bestrahlung. 2./3./4. Woche: Die Bestrahlung wird weitergeführt und gleichzeitig die Chemotherapie ausgesetzt. 5. Woche: Es wird parallel bestrahlt und chemotherapiert. Es folgen zwei Zyklen der Radiochemotherapie vor der Operation. Vier bis sechs Wochen nach der Operation wird die zuvor begonnene 5-FUChemotherapie mit vier weiteren Zyklen vervollständigt.

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