Palliative Chemotherapie

Palliative Chemotherapie

Die palliative Chemotherapie dient dazu, das Fortschreiten der Krebserkrankung zu verlangsamen oder zum Stillstand zu bringen. Dadurch kann die Lebensqualität verbessert werden oder erhalten bleiben. Hierfür stehen verschiedene Kombinationstherapien zur Verfügung sowie – als neuer Therapieansatz – sog. Antikörper. Basis einer intravenösen palliativen Chemotherapie sind die Zytostatika 5-Fluoruracil (5-FU) und Folinsäure, wie auch bei der adjuvanten Chemotherapie. Zu diesen Medikamenten werden meist die Zytostatika Oxaliplatin oder Irinotecan, selten Mitomycin hinzugegeben. Durch die Kombination der
verschiedenen Präparate wird die Wirkung verstärkt; gleichzeitig können so die einzelnen Dosierungen verringert werden, so dass die möglichen Nebenwirkungen schwächer ausfallen. Alternativ zur Gabe als Infusion über eine Vene ist auch die Gabe von 5-FU als Tablette möglich, z.Bsp. das Präparat Capecitabin. Zusätzlich zu den Chemotherapien ist seit einigen Jahren die Gabe von sog. Antikörpern (Anti-VEGF-Antikörper; Anti-EGFRAntikörper) möglich und sinnvoll, z.Bsp. die Präparate Bevacizumab, Cetuximab und
Panitumumab. Diese können zum einen verhindern, dass bestimmte Botenstoffe des Körpers einen Wachstumsbefehl an den Tumor übermitteln. Andere können die Neubildung von Blutgefäßen im Tumor verhindern. Solche Blockaden sind allerdings nicht bei allen Patienten mit Darmkrebs möglich. Diese individuelle genetische Besonderheit kann anhand des Tumorgewebes vom Pathologen vor der Therapie überprüft werden (Bestimmung der sog. KRAS-Mutation). So können Patienten identifiziert werden, bei denen eine höhere
Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Antikörper-Therapie wirksam ist (sog. individualisierte, gezielte Therapie).
Die Therapie wird meist über 3 Monate durchgeführt. Dann erfolgt eine Erfolgskontrolle mittels Ultraschall oder Röntgen. Bei gutem Therapieansprechen und guter Verträglichkeit wird die Therapie fortgeführt. Individuell erfolgen Therapiepausen in unterschiedlich langen Abständen.
Nicht bei allen Patienten führt die erste Therapie (sog. Erstlinientherapie ) zum Erfolg. Ist eine Therapie ineffektiv, so werden andere Medikamentenkombinationen eingesetzt. Wir sprechen daher von Erstlinien-, Zweit-, Dritt-, Viert- und Fünftlinientherapie.

Palliative Behandlungsprotokolle bei Darmkrebs

  • Möglichkeiten einer Erstlinienbehandlung:
    a) FOLFIRI-Schema (+ Bevacizumab):
    Tag 1 – (Beginn mit einer einstündigen Infusion mit Bevacizumab.) Zweistündige Infusion mit Folinsäure , dazu 5-FU als so genannte Bolusgabe, in Form einer Injektion, die maximal fünf Minuten dauert; anschließend wird 5-FU als langsame Dauerinfusion über 22 Stunden weiter verabreicht. Zusätzlich erhalten Sie
    Irinotecan in einer eineinhalbstündigen Infusion.
    Tag 2 – Wiederholung der Behandlung mit Folinsäure und der 5-FU-Bolusgabe plus 5-FU-Dauerinfusion, am zweiten Tag erhalten Sie jedoch kein Irinotecan. Anschließend gelten 12 Tage als Erholungsphase bevor ein erneuter Zyklus beginnt.
    b) FOLFOX4-Schema (+Bevacizumab):
    siehe unter „Adjuvante Behandlungsprotokolle“ + Bevacizumab-Gabe (siehe unter a))
    c) XELOX-Schema = Capecitabin + Oxaliplatin (+ Bevacizumab):
    Tag 1- zweistündige Infusion mit Oxaliplatin.Zusätzlich14 Tage lang morgens und abends Gabe des Medikaments Capecitabin in Tablettenform. In der darauf folgenden Woche erfolgt keine Einnahme (03-wöchiger Zyklus). + Bevacizumab (siehe unter a))
    d) 5-FU+ Folinsäure(+ Bevacizumab):siehe unter a) ohne Irinotecan
    e) Capecitabin (+ Bevacizumab):Bevacizumab siehe unter a), Capecitabin siehe unter c)
  • Möglichkeiten einer Zweitlinienbehandlung:
    a) Sämtliche Schemata der Erstlinientherapie, die noch nicht gegeben wurden.
    b) FOLFIRI +Cetuximab: Cetuximab über eine halbe Stunde, dann siehe unter a)
  • Möglichkeiten einer Drittlinienbehandlung:
    a) Sämtliche o.g.Schemata, die noch nicht gegeben wurden.
    b) Panitumumab als Monotherapie über eine halbe Stunde alle 3 Wochen
    c) Irinotecan + Cetuximab + Bevacizumab: siehe oben
  • Möglichkeiten einer Viert- -oder Fünftlinienbehandlung:
    a) 5-FU + Mitomycin: Mitomycin alle 4 Wochen als Spritze, 5-FU wöchentlich über eine halbe Stunde

Mögliche Nebenwirkungen der Chemo-Antikörper-Therapie und deren Behandlung

Unerwünschte Nebenwirkungen lassen sich, wie bei jedem Medikament, nicht immer vermeiden. Jeder Mensch empfindet diese unterschiedlich stark. Im Folgenden beschreiben wir die häufigsten Beschwerden, die auftreten können, aber nicht auftreten müssen. Nebenwirkungen müssen mit dem Arzt besprochen werden.

  • Übelkeit:
    Viele Patienten überstehen heutzutage eine Chemotherapie ganz ohne Übelkeit und Erbrechen, insbesondere weil es gute Medikamente gibt, die schon vor der Therapie prophylaktisch eingesetzt werden. Diese können bei Auftreten von Beschwerden auch erneut gegeben werden. Auch andere Ursachen können zu Übelkeit führen, wie z.Bsp. Magengeschwüre, Angst, Strahlentherapie etc..
  • Blutbildveränderungen:
    Das Knochenmark, in dem das Blut gebildet wird, reagiert empfindlich auf bestimmte Chemotherapien. Dadurch kann es unter der Therapie zu einer Blutarmut, zu vermehrter Blutungsneigung und, durch Verminderung der weißen Blutkörperchen, zu Infektanfälligkeit kommen. Daher wird regelmäßig ein Blutbild abgenommen.
    Eventuell ist die Gabe einer Bluttransfusion oder von Medikamenten, die die Bildung der weißen Blutkörperchen anregen, erforderlich. Bei Infekten mit Fieber muss der behandelnde Arzt rasch informiert werden.
  • Schleimhautentzündungen (Mukositis):
    Durch die Chemotherapie werden nicht nur Tumorzellen zerstört, sondern auch andere, sich schnell teilende Zellen. Dazu gehören auch Zellen der Mund-, Magenund Darmschleimhaut. Hierdurch kann es zu Entzündungen und kommen. Helfen können dagegen entzündungshemmende Mittel wie Kamille und Salbei als Mundspüllösungen. Bei Durchfall wird der Arzt evtl. eine Therapie einleiten, ggf. auch die Dosis der Chemotherapie reduzieren.
  • Durchfall:
    Bei Durchfall wird der Arzt evtl. eine Therapie einleiten, um Flüssigkeitsverluste zu beheben und den Durchfall zu stoppen; ggf. wird er auch die Dosis der Chemotherapie reduzieren.
  • Akne-artige Hautveränderungen:
    Unter der Therapie mit Antikörpern tritt oft ein Hautausschlag im Gesicht oder am Rumpf auf, der einer Akne ähnelt. E sollte dann frühzeitig mit einer Behandlung begonnen werden. Es sollten nur milde Shampoos und Seifen zur Körperhygiene benutzt werden. Rückfettende Pflegeprodukte wie Tages- und Nachtcremes sollten
    vermieden werden. Der Arzt kann adäquate Hautlotionen empfehlen. Gelegentlich sind Antibiotika erforderlich. Die Hautveränderungen lassen im Verlauf der Therapie nach und verschwinden nach Therapieende.
  • Hand-Fuß-Syndrom:
    Unter Capecitabin-Therapie kann es selten zu einem sog. Hand-Fuß-Syndrom kommen. Darunter versteht man Rötungen und Schwellungen an Handinnenflächen und Fußsohlen, die zum Teil schmerzhaft sein können und eventuell zu Hautablösungen führen. Meistens reicht es, die Dosis von Capecitabin zu reduzieren oder eine kurze Therapiepause einzulegen.
  • Missempfindungen an Händen und Füßen (Neuropathie):
    Nach einer Behandlung mit Oxaliplatin können Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl an den Fingerspitzen und an den Zehen auftreten. Wenn diese Beschwerden rasch zunehmen, muss die Medikamentendosis reduziert oder abgesetzt werden. Meistens gehen die Missempfindungen dann wieder zurück.

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